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Wörter: Saugen, säugen, stillen, Muttermilch, Brustmilch und viele andere mehr

Verfasst: Montag 16. Januar 2023, 11:03
von Fritz
Erwachsenenstillen - und Wörter sind nicht Schall und Rauch

Wenn zwei verschiedene Wörter dasselbe bedeuten, nennt man das "Synonym". ABER: Manchmal liegen große Unterschiede zwischen Wort und Wort. Deshalb hier ein paar Begriffe, die sich im Laufe der Jahre fürs Erwachsenenstillen etabliert haben, wenn es nicht um Ageplay geht, sondern um die Erwachsenenstillbeziehung auf Augenhöhe. Manchmal ist es wichtig, das zu unterscheiden, weil man damit Erkennungssignale zum Anderen aussendet:

Saugen: Bedeutung sollte klar sein, ein sehr altes Wort.
Säugen: Saugen lassen. Das ist der Kausativ zum Wort "saugen" (andere Beispiele: fallen -> fällen, liegen -> legen, trinken -> tränken, sitzen -> setzen). Für den Menschen gelegentlich als veraltetes Wort angesehen, aber oft sehr sinnvoll einsetzbar.
Stillen: Kein Baby-Begriff! Das Wort entstand erst im 16. Jahrhundert und verdrängte allmählich als Hüllwort das Wort säugen. Man kann auch Hunger stillen und Neugier stillen oder die Begierte des anderen.
Brustmilch: Vermeidet das Wort Muttermilch. Muttermilch kommt ausschließlich von einer Mutter. Das Wort entstand während der Stillkampagnen des 19. Jahrhunderts, um zu ausdrücklich betonen, dass ein Kind die Milch der eigenen Mutter bekommen soll und nicht Ersatzmilch, Tiermilch oder Milch einer Amme. Das Wort Brustmilch entstand als direkte Übersetzung des englischen Worts breastmilk und war im deutschen Sprachraum früher so vermutlich nicht oder kaum in Gebrauch. Der medizinische Fachbegriff Frauenmilch hat den Vorteil, dass es auch Frauen einschließt, die keine Mutter sind, also induziert haben oder spontanen Milchfluss haben, klingt allerdings etwas spröde und außerdem sind Jungen/Männer nicht mitgemeint, bei denen Milchfluss ebenfalls vorkommen kann.

Re: Wörter: Saugen, säugen, stillen, Muttermilch, Brustmilch und viele andere mehr

Verfasst: Mittwoch 7. Januar 2026, 14:51
von Christine
Brust: Ihr wisst es alle. Ein altes Wort, das wohl von "aufschwellend, knospend, wachsend" kommt.
Busen: Das ist kein anderes Wort für Brust, sondern bezeichnet den Zwischenraum zwischen den Brüsten. Milch aus dem Busen trinken kann man daher nur, wenn man beide Brüste zusammenquetscht und und in die Ritze oben Milch reinkippt.

Nebenbei: lateinisch "mamma" heißt "Mutter", "Amme", oder "Mutterbrust", bei Tieren normalerweise nur dann, wenn sie vorne/oben sitzen. - Das Wort "Mama" für Mutter kam erst spät bildungssprachlich über das Französische ins Deutsche. Früher war bei uns eher Mutter von mater üblich.

Re: Wörter: Saugen, säugen, stillen, Muttermilch, Brustmilch und viele andere mehr

Verfasst: Donnerstag 8. Januar 2026, 10:30
von SchorleMZ
Sprache ist kein Museum. Auch wenn Busen historisch anderes meinte, wird es im heutigen Deutsch ganz normal synonym zu Brust verwendet (siehe Duden/DWDS). Etymologie bestimmt nicht automatisch die heutige Bedeutung.

Re: Wörter: Saugen, säugen, stillen, Muttermilch, Brustmilch und viele andere mehr

Verfasst: Donnerstag 8. Januar 2026, 19:11
von Christine
SchorleMZ hat geschrieben: Donnerstag 8. Januar 2026, 10:30 Sprache ist kein Museum. Auch wenn Busen historisch anderes meinte, wird es im heutigen Deutsch ganz normal synonym zu Brust verwendet (siehe Duden/DWDS). Etymologie bestimmt nicht automatisch die heutige Bedeutung.
Ja, natürlich, also grundsätzlich. Aber speziell hier, quasi unter Brustskennern, wärs mir doch zu doof oder oberflächlich, irgendwie zu billig.

Re: Wörter: Saugen, säugen, stillen, Muttermilch, Brustmilch und viele andere mehr

Verfasst: Sonntag 11. Januar 2026, 16:27
von Aves
Tatsächlich wird der Begriff „Busen“ am wenigsten mit dem Tal zwischen den Brüsten assoziiert.

Obwohl ich auch eine Vorliebe für Worte habe, passiert es mir das erste Mal, dass jemand solchen Wert auf diese Trennung legt.

Goethe hätte sich davon wahrscheinlich nicht überzeugen lassen — wenn er vom „am Busen hängen“ schrieb, entstehen in meinem Kopf eindeutige Bilder, die nichts von einem Tal, sondern etwas von Hügeln der Geborgenheit haben — und so sehen es die meisten.

„Busen“ ist oft der Sammelbegriff für beide Brüste (z.B. wenn von einem vollen Busen die Rede ist, dann weiß jeder, dass ein eindrucksvoller Vorbau gemeint ist). Mit „Busen“ verbinden viele Menschen einfach auch Geborgenheit, Weichheit und bedingungslose Annahme, oft auch Herzenswärme — das sind so Assoziationen, die einem beim Wort „Brust“ nicht so recht kommen wollen. Und die schönsten, nährendsten Orte werden ja nicht mit „an der Brust der Natur“ tituliert, nein, man sagt „am Busen der Natur“. Und da kann man mal drüber nachdenken. Es ist eindeutig, dass hier je nach Prägung und Verbindung unterschieden wird.

Ich persönlich halte es da wie Goethe: „Busen“ ist für mich eines der schönsten Worte, um die weibliche Brust — und so viel mehr — auszudrücken. Und irgendwie bin ich fast beleidigt, wenn ich glauben soll, dass der Busen quasi mein Brustbein/ Sternum sein soll 😂. Das passt für mich überhaupt nicht zu meinen eigenen inneren Filmen.

Natürlich kann jeder die Worte wählen, wie er mag. Ich finde z.B. die lateinische Bezeichnung der Brustwarzen, Mamillen, viel treffender und auch niedlicher als Zitzen oder Nippel. „Mamillen“ heißt ja soviel wie Brüstchen, obwohl ich „Brustspitze“ auch sehr treffend und schön finde.

Es macht doch einen Unterschied, wenn man als Frau fragt, ob man jemanden anderen zärtlich mit seinen Brustspitzen berühren darf … ihr könnt das ja mal in Gedanken durchspielen, was da in einem passiert, wenn ein und derselbe Satz mit Synonymen gesprochen wird. Ohne jetzt die anderen Begriffe klein zu reden oder zu sagen, dies sei richtiger als das. Aber in mir passiert da etwas anderes.

Ja, ja, ich weiß schon: viele männliche Leser werden jetzt denken — egal, Busen, Brust, Titte, … Brustwarze, Nippel, Zitze, Brustspitze… egal, Hauptsache überhaupt Berührung… und doch, es macht was mit einem. Wörter selbst sind wie Zauberformeln, die Bilder und Gefühle in einem heraufbeschwören. Das sollte man nie vergessen.

Re: Wörter: Saugen, säugen, stillen, Muttermilch, Brustmilch und viele andere mehr

Verfasst: Montag 12. Januar 2026, 13:14
von Christine
Aves hat geschrieben: Sonntag 11. Januar 2026, 16:27 ob man jemanden anderen zärtlich mit seinen Brustspitzen berühren darf
Spitze Zitze :biggrin:

Re: Wörter: Saugen, säugen, stillen, Muttermilch, Brustmilch und viele andere mehr

Verfasst: Montag 12. Januar 2026, 21:11
von milchling
Den ernsthaft an der Wortherkunft interessierten kann ich nur empfehlen, diese bei den Gebrüdern Grimm nachzuschlagen (ja, genau, die mit den Märchen, deren sprachwissenschaftlich weitaus wichtigeres Werk das Wörterbuch der deutschen Sprache war). Dort sind z.T. auch schöne literarische Quellen angegeben.
Das Deutsche Wörterbuch (DWB) ist das größte und umfassendste Wörterbuch zur deutschen Sprache seit dem 16. Jahrhundert mit Wortbedeutungen und Belegstellen. Es wird auch "Der Grimm" genannt, weil es die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm waren, die 1838 mit dem DWB begonnen haben. Erst 1961, nach 123 Jahren, wurde es beendet. Insgesamt entstanden 32 Bände.
Busen in Bedeutung 2 eben auch beim Mann
Brust althochdeutsch tutto. Die Grimms leiten Brust von brechen (hervor-), knospen, keimen ab.
stillen Abschnitt 2c. Dort wird die heutige Bedeutung des Verbs auf die beruhigende Wirkung des Stillens auf das gestillte Kind zurückgeführt. Die alte Primärbedeutung ist "still machen".
Säugen
Titte interessante Details, siehe eigentlich auch Tutte. Vergleiche auch Dutte: "Brustwarze, aber auch die ganze Brust, zumal die weibliche" - viele interessante Ableitungen
tütten an der Brust saugen
Mama wird hier tatsächlich aus dem Französischen hergeleitet, ohne Referenz auf das Lateinische: Mamma = Brust
Zitze tatsächlich von Titte herstammend, letzteres ist anscheinend der ältere Begriff
Euter